Reiseangebot

Programm der Kultur- und Themenreise

Programmvorschlag für die zweiwöchige Kulturreise nach Belarus zu Geschichte, Alltag, Gesellschaft und Kultur

Durchführung: 28. September bis 11. Oktober 2014.

 

Für Fragen jeder Zeit gerne: 031 931 33 90 oder 076 521 70 73. E-Mail: nicolemathys@bluewin.ch

 

1. Tag: Anreise

Mit der Anreise nähern wir uns Belarus: Im Zug gibts nach Wunsch einen Sprachkurs in Russisch, viel Lesematerial zum Land, Möglichkeiten für Diskussionen, Austausch und Fragen.

Morgen: Abfahrt von Bern, bzw. Basel nach Berlin. Früher Nachmittag Ankunft in Berlin. Stadtführung in Berlin: "Das russische Berlin". ca. 18.00 Uhr Abendessen im Restaurant. 21.06 Uhr Abfahrt des Zuges nach Belarus (Berlin-Brest). Ankunft in Brest am nächsten Tag um 10.18 Uhr.

Hintergrund: Brest ist die belarussische Grenzstadt zu Polen und damit zur EU, obwohl Belarus geografisch gesehen, ziemlich genau in der Mitte von Europa liegt. Noch zu Beginn der 90er-Jahre reisten tausende von Belarussen nach Polen, um Unterwäsche oder Elektroteile zu verkaufen. Spätestens seit In-Kraft-Treten des Schengen-Abkommens ist dies nicht mehr möglich. Die Grenzen wurden dicht gemacht, der Eiserne Vorhang ist nun hier in Brest.

Doch wir sind im Zug und durchbrechen diese starre EU-Aussengrenze. Das Zugsabteil wird nun von Berlin bis Brest, für einen Abend und eine Nacht, zu unserem Zuhause.

Richten Sie sich gemütlich ein, gehen Sie bei den Nachbarn auf Besuch und holen Sie bei den Zugsbegleitern (den Prowodniks) heissen Tee, so oft Sie wollen.

 

2. Tag: Ankunft im Dorf Koshevichi

Am Morgen treffen wir in der belarussischen Stadt Brest ein. Auf dieser anderen Seite der dichten Grenze sind wir in Belarus. Hier herrscht ein reges Treiben auf dem Bahnsteig. Ein "wichtiger Zug" aus dem Ausland ist angekommen. ältere Frauen versuchen ihre Gartenerträge zu verkaufen.

Stadtführung in Brest, Mittagessen in der Stadt. Am Nachmittag weiterfahrt mit dem Regionalzug durch bezaubernde Landschaft und spannende Gegend in die Provinzstadt Pinsk (ca. 3,5 Stunden). Am Bahnhof in Pinsk warten Pferdefuhrwerke oder ein Minibus auf uns, um uns in das nah gelegene Dorf Koshevichi zu bringen. Hier einrichten im Dorfhaus, Abendessen, Bekanntschaft mit unseren Gastgeber/Innen und Nachbarn.

 

3. Tag: Kennenlernen des Dorfes

Im Kolchosdorf Koshevichi erwarten uns interessierte und neugierige Menschen, die den Austausch mit ihren Gästen sehr schätzen. Wir schauen in alle Dorfeinrichtungen hinein und lernen diese bei Bedarf zu benutzen. Es ist da mal die Post, wo unter anderem auch Schuhe repariert werden,  der Lebensmittelladen, in welchem auch Nägel und andere Bedarfsgüter gekauft werden können, die Medizinstation, die Kirche, die sich in einem alten, umfunktionnierten Eisenbahnwagen befindet, die Schule und die Arbeiterkantine für die Kolchos- und anderen Arbeiter/Innen. Die meisten der genannten Gebäude werden mit Holz geheizt.

Wanderung oder kleine Velotour nach Lust und Laune. 

  

4. Tag: Einblick in die Kolchose bei Koshevichi

Eine Kolchose ist ein landwirtschaftlicher Grossbetrieb, auf dem praktisch alle Bewohner/Innen eines Dorfes arbeiten.

Belarus ist das einzige Land der ehemaligen Sowjetunion, wo die Kolchosen in ihrer Struktur erhalten sind.

Durch die Spuren der acht Jahrzehnte Kolchosenwirtschaft bewegen wir uns bis in die Gegenwart.

Wir erfahren von Problemen, Missständen, Widerständen und Erfolgen.

Für eine Kolchose arbeiten Menschen unterschiedlichster Berufe: von der Ingeneurin bis zum Traktorfahrer oder der Melkerin sind viele auch sehr spezifische Berufe vertreten. Sie gilt es kennenzulernen und mit den Menschen dahinter zu sprechen.  

 

5. Tag: Einblick in soziale Institutionen

Besuch eines Alters- und Behindertenheimes, sowie eines Spitals in der Nähe von Koshevichi. Mit Sicherheit sorgen diese Erlebnisse für Diskussionsstoff!

 

6. Tag: Industrialisierung

Wir besichtigen zwei symbolträchtige Fabriken, eine innowative Weinfabrik auf dem Land und eine traditionelle und veraltende Schiffsbaufabrik in Pinsk. Wir erhalten Einblick in die Produktion, die Arbeitsprozesse sowie in die Arbeitsbedingungen.

Wie die Industrialisierung eine Landflucht zur Folge hatte, ziehen auch wir vom Dorf in die Stadt um, zunächst in die nahe gelegene Stadt Pinsk. Hier Übernachtung in einem einfachen Hotel.

 

7. Tag: Zur Geschichte der Region Pinsk, der zweite Weltkrieg im Fokus

Vormittag: Besuch des einzigen Museums von Pinsk, ein historisches Stadtmuseum: Das Museum zeigt mit Alltagsgegenständen, Schriftdokumenten und Nachbildungen die Geschichte der Region Pinsk ab dem 11. Jahrhundert. Einen besonders guten Einblick erhalten Sie in das Leben der Region vom 18. bis ins 20. Jahrhundert.

Doch unvermeidlich kommen damit auch das Geschichtsverständnis und die Museumskultur zum Ausdruck. Durch diesen Blickwinkel gesehen, hört die Geschichte nach dem 2. Weltkrieg abrupt auf. Um so mehr soll sich dieses letzte gezeigte Ereignis im Bewusstsein festsetzen. Nicht nur die ausgestellten Objekte geben Auskunft, sondern auch durch das Nicht-Gezeigte kann vieles erkennbar werden.

Nachmittag: Bedeutung und Folgen des zweiten Weltkrieges. Treffen mit Zeitzeugen, Besprechung zweier Autobiographien

Hintergrund: Ganz Belarus, besonders aber der Westen des Landes, hatte während des 2. Weltkrieges enorm zu leiden. 1/4 der Bevölkerung von Belarus starb im Krieg.

Vor dem Krieg waren rund 75% der Stadtbevölkerung von Pinsk Juden. Fast alle Juden Pinsks kamen durch den Holocaust ums Leben oder emigrierten.

Heute überwiegen in Pinsk Bauten aus der Sowjetzeit. Doch ältere geschichtliche Zeugnisse sind dennoch auf Schritt und Tritt zu entdecken.

 

8. Tag: Zum Judentum in Belarus

Besuch der Synagoge in Pinsk, Gespräch mit dem Rabbiner und einem Gemeindemitglied

Wir erfahren von der Geschichte der Juden in Belarus, wie sich das Zusammenleben mit den Nicht-Juden gestaltete, von gegenseitigen Prägungen. Und schliesslich erhalten wir einen Einblick in das jüdische Leben in Belarus von heute.

Konzert des jiddischen Chors.

 

9. Tag: Orthodoxie

Morgen: Besichtigung einer orthodoxen Kirche, Gespräch mit einem Pfarrer.

Nachmittag: Fahrt nach Minsk. Besichtigung eines Klosters in Minsk, Übernachtung in der Klosterherberge.

 

10. Tag: Facetten und Initiativen einer Grosstadt

Vormittag: Besuch des Chlosterprojekts zur Eingliederung von ehemaligen Gefangenen und Drogen- oder Alkoholabhängigen.

Nachmittag: Stadtführung in Minsk wenn möglich vom Schriftsteller und Künstler Artur Klinov.

Treffen mit Menschenrechtsaktivist/Innen.

 

11. Tag: Nowogrudok, Schmelztiegel der Kulturen 

Fahrt mit dem öffentlichen Bus nach Nowogrudok (ca. 3 Stunden). Nowogrudok ist heute eine unbedeutende Kleinstadt. Einst war es die Hauptstadt des Belarussisch-litauischen Fürstentums. In Nowogrudok befindet sich eine der ältesten Moscheen des Landes. Diese besichtigen wir und sprechen mit Vertreter/innen des Islams in Belarus. Es sind vor allem die Tataren, die muslimisch sind, sowie Einwanderer/Innen aus Zentralasien.

Besuch des Völkerkundemuseums.

Übernachtung in einfachem Hotel in Nowogrudok.

 

12. Tag: Wunschprogramm

Noch sind wir in Nowogrudok. Den Vormittag haben Sie zur freien Verfügung, am Nachmittag besteht die Möglichkeit für eine gemütliche Wanderung in der traumhaften Umgebung dieser Kleinstadt.

Abschlussabend mit Volkloregruppen.

 

13. Tag: Beginn Rückreise

Fahrt nach Brest. Besichtigung der Brester Burg.

Abfahrt des Direktzuges nach Basel um 21.00 Uhr. Zeit, um die dichten Eindrücke revue passieren zu lassen.

 

14. Tag: Ankunft in der Schweiz

Um ca. 12.00 Uhr ist der Zug in Basel.

Reiseangebot